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Der Entspannungs-Tank, auch Floatarium oder Samadhi-Tank genannt, hat neben der
angenehmen und entspannenden Wirkung auch vielfältige und bemerkenswerte
Auswirkungen auf die innere Wahrnehmung, auf die Gefühle, auf das Erleben
des Körpers, wie auf das Bewusstsein selbst. Der folgende Exkurs dient dazu,
diese in die Bewusstseins-Welten reichende Wirkung zu erläutern und besser
verständlich zu machen. Ich werde daher einige Zusammenhänge darstellen,
wie der Tank auf das Bewusstsein wirken kann - wobei das Bindeglied für den
Zusammenhang von Tank und Bewusstsein im Wesen veränderter Bewusstseinszustände
zu finden ist.
Zur Geschichte der Bewusstseins-Entwicklung in der westlichen Welt
Das Aufsuchen von veränderten Bewusstseinszuständen findet sich bei
nahezu allen Kulturen der Menschheit. Eine diesbezügliche Studie der amerikanischen
Ethnologin Erica Bourgignon brachte zutage, dass es in über 90% aller Kulturen
institutionalisierte Rituale zum Erreichen aussergewöhnlicher Bewusstseinszustände
(ABZ) gibt oder gab; sie musste allerdings auch feststellen, dass in der europäisch-amerikanischen
Kultur diese Rituale nahezu gänzlich fehlen - was diesen unseren Kulturkreis
von den anderen deutlich unterscheidet. Mögliche Ursachen für diese
Abwesenheit institutionalisierter Bewusstseinsveränderung könnten in
der Geschichte unserer Kultur zu finden sein: das über sechshundert Jahre
lange Wirken der Inquisition in Europa hat zweifelsohne auch das Wissen über
die Anwendung bewusstseinsverändernder Rituale, Praktiken und Substanzen
als "des Teufels" nahezu zum Verschwinden gebracht - waren es doch vorwiegend
jene als "Häxen" bezeichneten Frauen, die die fachgerechte Verwendung
von Fliegenpilzen, Bilsenkraut, Mutterkorn, Tollkirsche und dergleichen praktizierten
und das Wissen darüber weitergaben.
Dennoch ist es nicht vollkommen gelungen, das Wissen um die angemessene Anwendung
bewusstseinsverändernder Techniken zum Verschwinden zu bringen. Allerdings
gibt es heute einen deutlichen Mangel an Erfahrung, Wissen und Know-how im Umgang
damit, sodass es sinnvoll und wichtig erscheint, mit den grundlegenden Aspekten
zu beginnen.
Bedingungen für aussergewöhnliche Bewusstseinserfahrungen
Wie kommt man nun zu solchen aussergewöhnlichen Bewusstseinserfahrungen und
zu solchem Erleben? Denn es gibt eine Reihe von Bedingungen, die für eine
"Reise in die Dimensionen ausseralltäglicher Welten" unbedingt
berücksichtigt werden müssen, widrigenfalls man zu keinem ABZ gelangt
oder diesen als extrem unangenehm, bedrohlich oder sogar nachhaltig destruktiv
erleben kann.
Die Bedingungen für "erfolgreiche" ABZ sind im Wesentlichen
der Psychotherapie entlehnt, sie finden sich dort unter den Begriffen "SET",
"SETTING" und "INTENTION". In gegenüber der Psychotherapie
leicht abgewandelten Verwendung liefern sie Richtlinien wie Kriterien für
ABZ (siehe auch VMA-Meeting "LOGOS").
1. Das Set
umfasst alles "Mitgebrachte, die gesamte körperliche, seelische und
geistige Verfassung, alle Einstellungen, Muster, Prägungen, Gewohnheiten,
etc.Prof. Dittrich (ETH Zürich) konnte herausfinden, dass der Verlauf des
ABZ deutlich von den Erlebnissen der letzten 14 Tage vor dem ABZ abhängt,
also dem, was aktuell vorher geschehen war. Das SET betrifft auch alle Erwartungen
an den ABZ, alle Befürchtungen, Projektionen und vorhergegangene Erfahrungen
mit ABZ. Gründliche Selbsterfahrung und aufmerksame Selbsteinschätzung
(oder Fremdeinschätzung durch jemand Erfahrenen) als Vorbereitung erleichtert
die Annäherung an ABZ; ein klares, bewusstes SET ist eine notwendige, allerdings
noch keine hinreichende Bedingung für einen erfolgreich durchlebten ABZ.
2. Das Setting
beinhaltet die aktuelle Gestaltung der Umgebung, der Situation und der Konstellation,
in welche der ABZ eingebettet werden soll. Das Setting bestimmt in hohem Masse
den Verlauf und den Ausgang des ABZ; trotz bester Vorbereitung kann ein unstimmiges
Setting den ABZ stark negativ, und bei schlechter Voreinstellung kann ein förderliches
Setting einen deutlich positiven Einfluss nehmen. Zum Setting gehören auch
die Begleiter und Gefährten, sowie deren Set und deren Absichten (Intentionen).
Im Setting fliessen also alle Aspekte zusammen und schaffen den aktuellen Rahmen
für das individuelle wie gemeinschaftliche Erleben. Unterstützende oder
störende Einflüsse während des ABZ, reiche, angemessene oder auch
mangelnde Betreuung oder Versorgung während des ABZ sind ebenso Bestandteil
des Settings. Wer aus Psychoanalyse und Psychotherapie die zahlreichen genauen
Betrachtungen, Überlegungen und Hinweise zur Gestaltung der therapeutischen
Situation kennt, der ist im allgemeinen bestens ausgebildet.
3. Die Intention
Die zentrale Bedingung für den Verlauf eine ABZ allerdings ist die INTENTION,
die Absicht, die für den ABZ gefasst wurde. Die Intention bestimmt, wohin
die Reise gehen soll, welchen Verlauf sie nehmen soll und zu welchem Ergebnis
man gelangen will. Die Absicht wählt das angemessene Setting und schützt
das jeweilige Set auf seine aktuelle Tauglichkeit ein. Die Intention ist wie der
Beleuchter, der seinen Scheinwerfer - die Aufmerksamkeit - auf ausgewählte
Themen, Orientierungen, Aufgabenstellungen, Kriterien und Dimensionen des ABZ
lenkt. Um allerdings klare und starke Intentionen zu fassen, braucht es einiges
an †bung; denn eine zu vordergründige Absicht kann genauso störend
sein wie eine zu schwach gefasste - beide lassen unterbewusste Intentionen zur
Wirkung kommen, was manchmal sehr erhellend, manchmal jedoch auch sehr irritierend
sein kann. Eine angemessene Vorbereitung, welche dem Set entsprechend Rechnung
trägt und es richtig einstimmt, die Bestimmung einer wohlgefassten Intention
und die gewissenhafte Auswahl und Gestaltung des Settings bilden die für
jede Erfahrung - nicht nur für ABZ - den geeigneten Rahmen.
Der Tank als Instrument zur Erreichen von ABZ ist damit ein wesentlicher Bestandteil
des Settings. Das Floaten im Salzwasser, der Entzug der Aussenreize, die Vorbereitung,
Einführung und Begleitung sind ebenfalls dem Setting zuzurechnen. Die Konzeption
des Tanks ist derart gestaltet, dass er ein möglichst optimales Setting für
ABZ liefert - was ja auch die Intention der Tankerfinder und Tankbauer war und
ist. So schafft diese "eingebaute", im Tank manifestierte Intention
zukünftiges Setting....
Ötiologie-unabhängige Strukturen veränderter Wachbewusstseins-Zustände
beim Floaten im Samadhi-Tank
Bevor ich mich allerdings den aussergewöhnlichen Bewusstseinsbereichen zuwende,
möchte ich eine tiefergehende Analyse und Systematik zum Thema Bewusstsein,
Bewusstseinszustände und Bewusstseinsdimensionen voranstellen. Würde
dieser erforderliche Exkurs ausgelassen, dann fehlte das wesentliche Verständnis
für den weitreichenden Zusammenhang von Tank und Bewusstsein.
Bewusstsein selbst kann als Bedingung aller innerer Erfahrung dem Wesen nach nicht
erkannt werden; alle Versuche dieser Art führen entweder zu tautologischen
Umschreibungen oder zur Bestimmung der im Bewusstsein wahrgenommenen Tätigkeiten,
welche eben deshalb nicht das Bewusstsein sind, sondern dasselbe voraussetzen.
Bewusstsein besteht darin, dass wir überhaupt Zustände und Vorgänge
in uns finden, und das ist kein von diesen inneren Vorgängen zu trennender
Zustand (1).
Da über das Wesen des Bewusstseins keine Aussage gemacht werden kann (ausser,
dass Bewusstseins eben "bewusst Sein" ist), so lassen sich doch bestimmte
Bewusstseinszustände des Menschen unterscheiden. Dies sind vorgeformte, unter
bestimmten Bedingungen auftretende Erfahrungsmuster mit fliessenden †bergängen,
welche mit einer dem jeweiligen Bewusstseinszustand inhärenten Wahrnehmung,
Gefühlslage, Gedankenwelt, Bedeutungsvergabe und spezifischen Gesetzmässigkeiten
verknüpft sind. Derjenige Typus von Bewusstseinszustand, dem die Psychologie
bisher ihr Hauptinteresse gewidmet hat, ist das "rationale Wachbewusstsein",
welches die überwiegende Mehrheit der Angehörigen der westlichen Welt
als das "normale" betrachtet, was eine sehr spezifische, eingeschränkte
Sicht der Realität impliziert. Selbst die Bewusstseinszustände des Träumens
sind verhältnismässig selten Gegenstand der psychologischen Betrachtung,
und gelten auch gemeinhin als weniger "wertvolle" und gering erinnerte
Zustände. Die neben dem Alltags-Wachbewusstsein bestehenden Bewusstseinzustände
werden vom Standpunkt des Wachbewusstseins interpretiert und im allgemeinen als
irrational, fremdartig, abnorm oder pathologisch klassifiziert. Daher verwundert
es nicht, dass sich am meisten die Psychiatrie mit diesen Zuständen beschäftigt
hat, wobei die Annäherung daran über die Klassifizierungen des Pathologischen
erfolgte. Eine systematische und nicht-wertende Erforschung lieferten bisher vor
allem die Mitglieder des European Congress for Studies of Consciousness (ECSC),
allen voran A.Dittrich (2).
Bei der Annäherung an ausserhalb der gewöhnlichen Alltags-Realität
liegende Bewusstseinszustände (ABZ) ist ein zentrales Kriterium das auslösende
Stimulans, das "Reizmittel". Die meisten der auch experimentell genauer
bekannten Stimuli zur Auslösung von aussergewöhnlichen Bewusstseinszuständen
(ABZ) lassen sich in zwei grosse Typen einteilen, nämlich einen pharmakologischen
und eine psychologischen Typus. Der Tank als bewusstseinsveränderndes Instrument
gehörte zum psychologischen Typ; eine bemerkenswert vollständige und
systematische Klassifizierung der verschiedensten bewusstseinsverändernden
Stimuli beider Typen findet sich wiederum bei A.Dittrich (2).
A. Dittrich kam zu folgenden Kriterien, welche bei ABZ unabhängig vom Stimulus
erlebt werden können:
- Veränderung der Denkabläufe ("primärprozessartig")
- Veränderung des Zeiterlebens (Geschwindigkeit, "Zeitlosigkeit")
- Angst vor Verlust der Selbstkontrolle
- Intensive Emotionen (Glückseligkeit bis Panik)
- Körperschema-Veränderungen (bis "Körperlosigkeit")
- Verändertes Bedeutungserleben
Der gemeinsame Kern aussergewöhnlicher Bewusstseinszustände, d.h. die
übergeordnete Dimension der ABZ, lässt sich folgendermassen charakterisieren:
"Es kommt zu einer primärprozessartigen Veränderung des Denkens
mit subjektiven Konzentrationsstörungen oder dem Gefühl, klarer und
schneller als sonst zu denken. Die Zeit kann langsamer oder schneller als sonst
vergehen. Es tritt ein Gefühl der Zeitlosigkeit ein, einer punktuellen Gegenwart
von Vergangenheit und Zukunft. Es kommt zu einer Selbstverfremdung, einem Gefühl
des Verlustes der Selbstkontrolle, welches mit intensiven positiven und negativen
Emotionen einhergeht. Die Stimmung fluktuiert stark und ist durch Ambivalenz gekennzeichnet.
Das Körperschema ist verändert, einschliesslich subjektiver Levitationsphänomene
und Gefühlen der Körperlosigkeit. Es kommt zu einer Auflösung
der Subjekt-Objekt-Schranke und damit zu einer Einswerdung des Ichs mit der Umwelt.
Weitere Veränderungen der Wahrnehmung im Sinne von halluzinatorischen Phänomenen
treten fast ausschliesslich im optischen Bereich auf. Schliesslich umfasst der
Extrempol von ABZ ein verändertes Erleben der Bedeutung von Gegenständen
und Personen der Umgebung. Sie erscheinen anders, fremdartig, gefühls- und
bedeutungsträchtiger als sonst, was mit überwältigenden "Aha"-und
Evidenzerlebnissen einhergehen kann (3).
So schreibt Dittrich in seiner bisher umfangreichsten systematischen Untersuchungen
über ABZ. Aus seinen Studien ergaben sich drei Dimensionen, aus denen sich
das Erleben in ABZ zusammensetzt, und die zusammengehörige Aspekte einer
übergeordneten Dimension "Aussergewöhnlicher Bewusstseinszustand"
("non-ordinary state of consciousness") bilden:
- "Ozeanische Selbstentgrenzung" ("oceanic boundlessness")
- "Angstvolle Ichauflösung" ("dread of ego dissolution")
- "Visionäre Umstrukturierung" ("visionary restructuralization")
als die Grunddimensionen von ABZ.
1. Ozeanische Selbstentgrenzung (OSE):
Der Teilaspekt von ABZ "Ozeanische Selbstentgrenzung (OSE)" weist bei
extremer Ausprägung auf etwas hin, was in einem relativ gut definierten religionswissenschaftlichen
Sinne zumindest als Keim von "mystischen Erfahrungen" bezeichnet werden
könnte. Die Bezeichnung "Ozeanische Selbstentgrenzung (OSE)" lehnt
sich an den Begriff des "ozeanischen Gefühls" an, der in der Psychoanalyse
fast zu einem "terminus technicus" für "unio mystica",
"Ekstase" und dem "kosmisch mystischen Erleben" geworden ist.
Ein Erleben des Einswerdens mit der Umgebung, eine "mystisch" erlebte
Einheit der Realität jenseits aller Widersprüche, eine Transzendenz
der Zeit und eine tiefempfundene positive Stimmung spiegelt sich in dieser Dimension
von ABZ wieder.
2. Angstvolle Ichauflösung (AIA)
Aus der Sicht des Alltagsbewusstseins steht im scheinbaren Gegensatz zur "Ozeanischen
Selbstentgrenzung" der zweite Aspekt des gemeinsamen Kerns aussergewöhnlicher
Bewusstseinszustände, welcher als "Angstvolle Ichauflösung (AIA)"
bezeichnet wird. Dieser Aspekt von ABZ beschreibt einen sehr unangenehmen Zustand,
welcher von Hallozinogenkonsumenten oft als "bad trip" bezeichnet wird.
Im Gegensatz zu einer positiv empfundenen Verschmelzung des Ichs mit der Umwelt
oder einem absoluten Urgrund, wie in der Dimension OSE, kommt es jetzt zu einer
radikalen Trennung dieser beiden Pole. Darüber hinaus ist die Einheit der
Person zersplittert, indem die Verfügbarkeit über normale Ich-Funktionen
nicht mehr gegeben ist. Das Denken ist verändert, Gedankengänge werden
von Nebengedanken unterbrochen und reissen immer wieder ab. Das Gefühl der
willentlichen Selbstbestimmung ist verlorengegangen, es fällt schwer, auch
nur die kleinsten Entscheidungen zu treffen, man fühlt sich wie gelähmt,
wie eine Marionette oder wie ein Automat. Statt einer Transzendenz der Zeit erlebt
man in diesem Kontext die Zeit als quälend langsamer als sonst, was die besondere
Angst in dieser provozierten Grenzsituation widerspiegelt.
3. Visionäre Umstrukturierung (VUS):
Der dritte Aspekt von ABZ, die "Visionäre Umstrukturierung" (VUS)
beschreibt Visionen bzw. visuell-halluzinatorische Erlebnisse. Bei extremer Ausprägung
beinhaltet dieser Teilbereich vier zusammengehörige Phänomenbereiche:
a) optisch-halluzinatorische Phänomene, b) geometrische Muster und Synästhesien,
c) verändertes Bedeutungserleben und schliesslich d) ein "increased
internal input", eine Aktivierung der Vorstellungskraft mit dem Einfliessen
informationstheoretischer Erkenntnisse aus überhöhtem Bedeutungserleben.
In Anlehnung an A.Huxley könnte man also formulieren, dass die drei entstehungsunabhängigen
Teilaspekte des gemeinsamen Kerns von ABZ dem "Himmel", der "Hölle"
und den "Visionen" entsprechen, wobei diese drei Dimensionen gewissermassen
zusammenfliessen. Ein solcher Zusammenhang ist in den Religionswissenschaften
seit langem bekannt: so schreibt R.Otto, dass das Numinose, das in ausgeprägten
ABZ wohl erlebt werden kann, gleichzeitig "tremendum et fascinans" sei.
Bemerkenswert an diesen Kriterien ist die Tatsache, dass die Veränderungen
in ABZ keinesfalls nur auf seelisch-geistige Elemente beschränkt sind, sondern
in ebensolchem Ausmass das Verändern körperlichen Erlebens betrifft;
anders ausgedrückt: ein ABZ betrifft das gesamte menschliche Dasein in seiner
Körper-Seele-Geist-Ganzheit.
Unter Berücksichtigung dieser Strukturen für ABZ lässt sich erkennen,
wie der Tank wirkt:
Das Floatens führt bei nahezu allen Menschen zu vorwiegend ozeanischem Erleben,
wie es bei Drogen viel seltener beobachtet werden kann. Das Angstvoll-Auflösende
hingegen findet sich wesentlich seltener, während die visionären Aspekte
bei manchen Menschen durch gesteigertes Wahrnehmen und Erleben innerer Realitäten
auftreten.
Im Vergleich mit anderen, vorwiegend pharmakologischen Stimuli zeigte sich der
Tank als durchaus geeignetes und wirkungsvolles Instrument zum Herbeiführen
und "Bereisen" von ABZ.
Erfahrungs-Ebenen veränderter Wachbewusstseinszustände beim Floaten
im Samadhi-Tank:
In den 60iger Jahren traten einige Pioniere der Drogenforschung auf, wie Timothy
Leary, Charles Tart oder auch Carlos Castaneda. Während sich Carlos Castaneda
vorwiegend mit den schamanischen Aspekten der Verwendung von Drogen im Kontext
der mexikanischen Yaqui-Indianer beschäftigte, war es Charles Tart, der die
Notwendigkeit einer Wissenschaft aufzeigte, welche die Tatsache von aussergewöhnlichen
Bewusstseinszuständen zur Grundlage nimmt und dementsprechend eine "bewusstseinszustands-abhängige
Wissenschaft" forderte. Es war allerdings Timothy Leary, der eine einfache,
grundlegende Systematik in der Verwendung bewusstseinsverändernder Drogen
herauskristallisierte. Diese Unterscheidung gilt völlig analog auch für
den Tank und seine Auswirkungen aufs Bewusstsein.
Während die Unterscheidung der ABZ nach der Art des Stimulus eine kausale
Gliederung darstellt, ist die Systematik Leary's eine finale: es geht um den Zweck,
welcher im ABZ angestrebt wird; seine drei Stufen der Drogenanwendung sind wiederum
für jede Droge gültig, im Wesentlichen bestimmt der Anwender, auf welche
der drei Stufen er sich begeben mag bzw. kann:
1. Ästhetik:
Auf dieser ersten Stufe der Drogenanwendung steht das ästhetische Erleben
im Vordergrund; das Erleben von Wohlbefinden, Schönheit, Harmonie, oder
auch deren negativen Seiten, bilden den Kern dieser Stufe; das innere Erleben
wird betrachtet, interpretiert und bewertet entsprechend ästhetischer Kriterien,
andere als solche werden meist nicht erlebt. Eine Steigerung der Quantität
wie Qualität der Wahrnehmung wird angestrebt, die höchste Ebene des
Erlebens auf dieser ersten Stufe findet sich im vollkommen klaren Wahrnehmen der
eigenen Wahrnehmung wieder - meist von wenig Fühlen durchdrungen (ein prä-emotionaler
Zustand).
Gerade das angenehm-wohltuende Geniessen der körperlichen Entspannung, die
mit dem Floaten im Salzwasser einhergeht, ist direkter Ausdruck dieser ersten
Anwendungsstufe. Für die meisten Menschen ist die Relaxation im Tank das
zentrale Erleben schlechthin und damit auch die wichtigste Wirkung des Tanks;
die anderen Aspekte werden häufig gar nicht mehr wahrgenommen.
2. intensive persönliche Begegnung und Erfahrung:
Auf dieser Stufe wird die Aufmerksamkeit während des Floatens auf sich selbst
- oder, falls man zu zweit in den Tank geht - auf den oder die Begleiter oder
Partner und/oder auf die Beziehung zwischen den Floatenden fokussiert; aufgrund
der gesteigerten Wahrnehmung aus der vorangegangenen Stufe wird man sich selbst
oder andere Anwesende, am besten ebenfalls im selben ABZ befindliche Menschen
auf eine quantitativ wie qualitativ neue, intensive, erweiterte Art und Weise
wahrnehmen; häufig tritt ein überwältigendes Gefühl des Verbundenseins
und des völligen Verstehens von uns selbst wie auch der anderen auf - ein
Zustand der besonderen Liebe und Hingabe; selbstverständlich können
auch hier die negativen Aspekte erlebt werden, was jedoch das Wesen dieser Stufe
nicht beeinträchtigt. Damit eignet sich der Tank ausgezeichnet zur Selbsterfahrung,
zur Selbstbetrachtung und zu Veränderung persönlicher Muster und Gewohnheiten.
Diejenigen, die den Samadhi-Tank zur Selbsterfahrung nutzen, finden mehrere Vorteile
vor:
- im entspannten Zustand im Tank ist ein angstvolles Erleben innerer
- Gegebenheiten nahezu ausgeschlossen, da sich - wie aus der Verhaltenstherapie
bekannt - Angst und Entspannung gegenseitig ausschliessen;
- durch die tiefe Entspannung des Tanks sowie die sensorische Deprivation
- (Reizentzug) ist ein freies, offenes und ungestörtes Wahrnehmen
und Erleben inner-psychischer Gegebenheiten sehr erleichtert; Zusammenhänge,
zu deren Einsicht man im Alltag wesentlich länger brauchen würde,
können im Tank in kürzester Zeit erfasst, verarbeitet und verändert
werden;
- die Beeinflussung mentaler Prozesse ist im Zustand der tiefen Entspannung,
- innerer und äusserer Ruhe viel einfacher, leichter und nachhaltiger
als im Alltagszustand ohne Tank; damit ist der Tank ein ideales Instrument
für alle Arten von Mentaltrainings und mentalen Eigen-Programmierungen.
3. das spirituelle, das mystische Erleben:
auf dieser dritten Stufe erweitert sich die Liebe zur All-Liebe, zur kosmischen
All-Verbundenheit, zum Wesen im All. Die Grenzen der erdgebundenen Existenz werden
weitgehend oder vollkommen transzendiert, manchmal verschwindet auch jegliche
Erinnerung an die frühere Existenz des Alltags. Das Erleben wird zu Da-Sein
schlechthin, das Erkennen der Göttlichkeit alles Seienden ist der Wesenskern
dieser Stufe.
Gerade im Tank erlaubt diese Anwendungsebene ein …ffnen für Einsichten
in kosmische Zusammenhänge und ermöglicht ein leichtes Erleben von
Transzendenz. Auf dieser dritten Stufe wird die Tankerfahrung zum mystischen Erleben
einer wilden oder auch vollkommen friedlichen Vereinigung mit dem Kosmos, dem
Göttlichen, der Ein- oder Heimkehr ins Reich des Unendlichen, des Nullhaften,
dem Nichts, das das Etwas hervorbringt. Die …ffnung des Alltagsbewusstseins
für die kosmisch-unendlichen Weiten des Geistes, schwebend am Rande des Nichts,
in friedlich-liebevoller Getragenheit vom Urvertrauen, verbindet so das Absolute
und das Alltägliche - angereichert um genau jenes Quant Bewusstheit, das
den Unterschied macht zwischen jenem Schlafen, das sich für Wachen hält
und tatsächlich erwachter Wachheit.
Angesichts dieser Beschreibungen von etwas, das sich letztlich nicht wirklich
in Worte fassen lässt, bekommt die Aussage, dass der Tank vielfältige
Auswirkungen auf unsere Bewusstheit wie unser Bewusstsein hat, eine neue, tiefere
Bedeutung. Die körperliche, wohltuende, regenerierende und heilende Entspannung
erscheint dann fast nur mehr als Nebenwirkung - wenn auch als eine sehr erwünschte
und hilfreiche. Doch das Wesen der Tankerfahrung liegt meiner Ansicht nach viel
mehr in der Erfahrung erweiterten Bewusstseins und einem spirituellen Erleben
von Transzendenz mit dem Heiligsten, das wir haben - mit unserem Körper.
"....Unsere Glaubenssysteme erfahren gerade via des zunehmenden Inputs durch
das Andere eine beschleunigte Evolution. Irgendwo vor uns gibt es eine kritische
Barriere, wo wir endlich genügend Daten haben werden, um eine integrierende
Einsicht in das Rätsel der Beziehung des Menschen zu dem Anderen zu erlangen.
Wenn das geschieht, wird ... die Kindheit unserer Spezies zu Ende gehen...."
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Literaturhinweise
(1) W.Wundt, "Grundzüge der physiologischen Psychologie", Bd. 2,
Engelmann, Leipzig 1880
(2) Adolf Dittrich, "ütiologie-unabhängige Strukturen veränderter
Wachbewusstseinszustände", Enke, Stuttgart 1985, und A.Dittrich und
C.Scharfetter, "Ethno-Psychotherapie", Enke, Stuttgart 1987.
(3) A. Dittrich, "Facetten veränderter Bewusstseinszustände",
in:
"Mind Machines", Tagungsband des Gottlieb Duttweiler-Institutes Zürich,
20.9.1991
(4) Terence McKenna, "Wahre Halluzinationen", Sphinx 1989, S. 297
Der Autor: Dr. Rudolf Kapellner studierte in Wien Philosophie, Psychologie, Physiologie,
und Elektrotechnik. Er arbeitet als Berater, Coach & Trainer mit den Führungskräften
grosser Unternehmen für Zukunftsstrategien und Zukunftsfragen.
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